März 2020

Was unabhängige Vermögensverwalter beim Schweizerischen Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG) beachten sollten

Hintergrund

Das Schweizer Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG) ist eine neue Regulierung, die am 1. Januar 2020 Kraft getreten ist. Ihr Zweck ist es, den Anlegerschutz zu erhöhen und die Transparenz bei der Erbringung von Finanzdienstleistungen zu verbessern.

Kundensegmentierung und -profil

Rechtlicher Hinweis: Die Videos und Texte unten erläutern die Umsetzung des FIDLEG durch Banque Pictet & Cie SA und stellen keinesfalls eine Rechtsberatung dar. 
Kontrollen vor Finanzdienstleistungen: Die Kontrollen werden generell dynamisch vor Erbringung von Finanzdienstleistungen für jede einzelne Transaktion umgesetzt. Es sind jedoch auch andere Umsetzungsweisen möglich.

 

Das FIDLEG hat erhebliche Auswirkungen auf die betrieblichen Prozesse von Vermögensverwaltern, denn es führt das Konzept der Kontrolle vor der Erbringung von Finanzdienstleistungen ein. Konkret verpflichtet das Gesetz Vermögensverwalter dazu, im Rahmen ihres Verwaltungsmandats für einen Kunden gewisse Kontrollen durchzuführen. Um zu wissen, welche Kontrollen für welche Art von Kunden angezeigt sind, muss der Vermögensverwalter zunächst Segment und Profil seiner Kunden ermitteln.

Bei der Kundensegmentierung werden alle Kunden einem dieser drei Segmente zugeordnet: Privatkunde, professioneller Kunde oder institutioneller Kunde. Ein Privatkunde geniesst ein höheres Schutz- und Informationsniveau als die anderen Kundenarten. Zur Bestimmung des Risikoprofils berücksichtigt der Vermögensverwalter die Kenntnisse und Erfahrungen des Kunden in Bezug auf die relevanten Finanzinstrumente, dessen finanzielle Situation und dessen Anlageziele.

Die dazu benötigten Informationen werden nach gängiger Marktpraxis mit einem Fragebogen zum Kundenprofil ermittelt, den der Vermögensverwalter im Gespräch mit jedem Kunden einzeln ausfüllt. Anhand der darin enthaltenen Angaben bestimmt der Vermögensverwalter das Kundensegment sowie die Kenntnisse und Erfahrungen des Kunden im Hinblick auf verschiedene Anlageklassen. Aus dem Fragebogen geht auch hervor, welches Risikoniveau – auf einer Skala von 1 bis 5 – der Kunde aufgrund seiner finanziellen Situation und seiner Anlageziele tragen kann. Das ermittelte Risikoniveau wird anschliessend mit dem Risikoniveau der Finanzinstrumente verglichen, das ähnlich bewertet wird.
Das Ziel ist, Kunden vor Anlagen zu schützen, die für ihr jeweiliges Risikoprofil nicht geeignet sind.
 

Kontrollen vor Finanzdienstleistungen

Rechtlicher Hinweis: Die Videos und Texte unten erläutern die Umsetzung des FIDLEG durch Banque Pictet & Cie SA und stellen keinesfalls eine Rechtsberatung dar. 
Kontrollen vor Finanzdienstleistungen: Die Kontrollen werden generell dynamisch vor Erbringung von Finanzdienstleistungen für jede einzelne Transaktion umgesetzt. Es sind jedoch auch andere Umsetzungsweisen möglich.

 

Seit Inkrafttreten des FIDLEG müssen Vermögensverwalter vor jeder Finanztransaktion für ihre Kunden Kontrollen durchführen. Es gibt zwei unterschiedliche Kontrollen.

Die erste Kontrolle, die so genannte Angemessenheitsprüfung, soll klären, ob die Kenntnisse und die Erfahrungen des Kunden der Anlageklasse entsprechen, in die er investiert. Konkret muss der Kunde über ausreichende Kenntnisse und Erfahrungen verfügen, damit sein Vermögensverwalter in ein bestimmtes Produkt investieren darf. Ansonsten kann der Vermögensverwalter dem Kunden vorher ergänzende Erklärungen zu den entsprechenden Anlageklassen geben, um den Kenntnisstand des Kunden zu erhöhen.

Bei der zweiten Kontrolle, der Eignungsprüfung, muss zusätzlich zur Angemessenheit auch geprüft werden, ob das Risikoniveau der Anlageprodukte mit dem Risikoprofil des Kunden übereinstimmt. Übersteigt die Anlage in einem bestimmten Anlageprodukt die Risikotoleranzschwelle des Kunden, darf ihm der Vermögensverwalter das Produkt nicht anbieten.

Je nach Kundensegment und Mandatstyp sind verschiedene Kontrollen durchzuführen. Diese hängen vom Schutzniveau des Kunden ab.

  • Für eine Execution-Only-Transaktion, also ohne Verwaltungsmandat oder Anlageberatung, ist keine Prüfung erforderlich. Der Vermögensverwalter muss den Kunden lediglich informieren, dass er keine Prüfung durchführt.
  • Bei einem Anlageberatungsmandat für einzelne Transaktionen muss der Vermögensverwalter lediglich die Angemessenheitsprüfung durchführen.
  • Bei einem Anlageberatungsmandat für einen Privatkunden, das sich auf das gesamte Portfolio bezieht, hat der Vermögensverwalter für einen maximalen Schutz die Eignungsprüfung durchzuführen, bevor er seinen Kunden berät.
  • Bei einem professionellen Kunden wird hingegen davon ausgegangen, dass er in allen Anlageklassen ausreichende Kenntnisse und Erfahrungen besitzt. Deshalb wird nur die Eignung hinsichtlich seines Risikoniveaus überprüft.
  • Bei einem diskretionären Vermögensverwaltungsmandat gelten die gleichen Regeln wie bei einem portfoliobezogenen Anlageberatungsmandat.
  • In allen anderen Fällen ist keine Prüfung nötig.
     

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